BMI Probleme

Eine internationale Fachkommission übt Kritik am Body Mass Index (BMI) als alleinigem Maßstab für die Diagnose von Adipositas. Der BMI, der das Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße berechnet, sei nicht aussagekräftig genug, da er keine Informationen über die Verteilung von Körperfett oder mögliche Beeinträchtigungen von Organen liefert. So können Menschen mit normalem BMI gefährliche Fettablagerungen in und um Organe haben, während andere mit hohem BMI, wie beispielsweise Athleten, völlig gesund sind.

Die Fachleute plädieren für genauere Diagnosen, die zusätzlich zum BMI auch den Taillen-Hüft-Umfang sowie die direkte Messung des Körperfetts berücksichtigen. Diese Methoden könnten helfen, zwischen „klinischer Adipositas“ – bei der Organfunktionen beeinträchtigt sind – und „präklinischer Adipositas“ – bei der ein hoher Körperfettanteil vorliegt, jedoch keine unmittelbaren gesundheitlichen Probleme bestehen – zu unterscheiden. Diese Differenzierung soll den Zugang zu Therapien erleichtern und gezielte Vorsorgeprogramme ermöglichen.

Gleichzeitig fordert die Kommission, Adipositas nicht nur als Risiko für Folgeerkrankungen, sondern als eigenständige chronische Krankheit anzuerkennen. Dies könnte dazu beitragen, den Zugang zu medizinischen Behandlungen und Therapien zu verbessern. In Österreich sind solche Therapien bislang schwer zugänglich, da Krankenkassen die Kosten häufig nicht übernehmen. Eine Neudefinition von Adipositas könnte soziale Ungerechtigkeiten in der Behandlung reduzieren, birgt jedoch auch die Gefahr, dass bestimmte Patientengruppen, wie Kinder und Jugendliche, weniger Unterstützung erhalten.

Das Ziel der vorgeschlagenen Änderungen ist, die Diagnostik von Adipositas zu verbessern, gesundheitspolitische Maßnahmen präziser zu gestalten und die Versorgung betroffener Menschen zu optimieren.

https://science.orf.at/stories/3228431/

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